Hier finden Sie Informationen zum ersten Teil der Tagungsbeiträge.
Informationen zum Abendvortrag im Rahmen der Tagung (Becker) finden Sie hier.
Nach der Niederlage des Kaiserreichs 1918 wurde die Deutung des Volksbegriffs zu einer zentralen politischen Kategorie. Der linksliberale Pädagoge Heinrich Hassinger aus Schornsheim arbeitete bis 1933 im Auftrag der hessischen Regierungskoalition von SPD, DDP und Zentrum an einem Programm der Volksbildung. Die volkskundliche Praxis übernahmen weitgehend nationalprotestantisch orientierte Pfarrer. Nach der Machtübernahme der NSDAP kam es 1933 zu einer programmatischen Neubestimmung durch den ehemaligen Lehrer Friedrich Ringshausen im Sinn einer autoritären Volkstumspolitik. Ähnlichkeiten und Differenzen des Volksbegriffs sowie Nutzung und Umbau von Strukturen werden thematisiert.
Der Vortrag fragt nach Kontinuität und Wandel städtischer Kulturpolitik zwischen den frühen 1920er Jahren und dem Ausbruch des Krieges 1939 für die Stadt Worms. Anhand der bis in die 1960er Jahre für die Wormser kulturellen Institutionen wie auch für das öffentliche Bild der Stadt Worms als historischem Schauplatz einer langen und reichen Geschichte höchst einflussreichen und wirkmächtigen Persönlichkeit von Dr. Friedrich Illert (1892-1966) und seinen geschickten Wandlungen lassen sich grundsätzliche Fragen und Überlegungen zur Frage nach kommunaler Identität und Geschichtspolitik, Opportunismus und Anbiederung, Kontinuität und Wandel, Trägern und Ideen der Arbeit von Museum, Bibliothek und Stadtarchiv vor und nach 1933/34 formulieren.
Die 1883 gegründete „Kunst- und Gewerbeschule Mainz“ war bis zum Ende des 1. Weltkriegs eine Bildungseinrichtung des Großherzogtums Hessen. Im nachfolgenden Volksstaat Hessen kam es mit Neuberufungen, attraktiven Lehrangeboten und einem Neubauprojekt zum Aufbruch in die Moderne.
Die sich gegen Ende der zwanziger Jahre verschärfenden ökonomischen Probleme führten zu sozialen und politischen Konflikten. Resultat war die Machtübernahme der Nationalsozialisten. An der Schule gab es Entlassungen und Änderungen im Ausbildungsplan. Als „Staatsschule für Kunst und Handwerk“ zog sie im Herbst 1933 in den Neubau ein. Eine nun reaktionäre Kulturpolitik beendete alle Reformpläne.
Anhand ausgewählter Biographien sollen in einem ersten Teil Ausbildung und wirtschaftliche Bedingungen Mainzer Künstler in der Weimarer Zeit sowie ihr Engagement bei Ausstellungen und in Künstlervereinigungen beleuchtet werden. In einem zweiten Teil wird es um die „Gleichschaltung“ der Mainzer Kunstszene durch das nationalsozialistische Regime gehen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich die Künstler gegenüber der nationalsozialistischen Ideologie positionierten. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der 1935 im Mainzer Casino „Hof zum Gutenberg“ veranstalteten Ausstellung „Rheinhessen - Landschaft und Volkstum“ zu.
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