Lagerleitung und Lagerwache


SS-Wachmannschaft, Aufnahme vom 19. Februar 1934
Foto: Landesarchiv Speyer

Die Verwaltung des Konzentrationslagers unterstand ursprünglich dem Polizeiamt Worms. Verantwortlicher Verwaltungsführer vor Ort war der SS-Mann Heinz Ritzheimer. Nach der Amtsenthebung des hessischen Staatskommissars für das Polizeiwesen Dr. Werner Best im Herbst 1933 übernahm die Polizeistelle in Darmstadt die Lagerverwaltung. Best hatte den Osthofener SS-Mann Karl d’Angelo mit der Aufgabe des ehrenamtlichen Lagerleiters des Konzentrationslagers Osthofen betraut.

Die Wachmannschaft setzte sich in den ersten Monaten aus SS- und SA-Männern aus Osthofen, Worms und Umgebung zusammen, die zu Hilfspolizisten ernannt worden waren. Für ihre Dienste erhielten sie eine finanzielle Aufwandsentschädigung. Ehemalige Häftlinge berichteten übereinstimmend, dass einzelne Wachleute gefürchtete Schläger waren, während sich andere zurückhaltend verhielten. Im Herbst 1933 wurden die SA-Männer vom Wachdienst abgezogen.

An ihre Stelle traten SS-Mitglieder der Sonder- und Wachkommandos aus Darmstadt und Offenbach. Sie waren wegen ihrer Brutalität im Lager besonders gefürchtet. Nach Schließung des Konzentrationslagers Osthofen bemühten sich das hessische Staatsministerium und der Reichsstatthalter Sprenger, die „bewährten“ SS-Männer anderweitig unterzubringen. So konnten sie teilweise in den Wachdienst des KZ Dachau überwechseln, oder aber sie wurden bei der hessischen staatlichen Polizei beschäftigt. Kein Wachmann wurde für seine Tätigkeit im KZ Osthofen nach 1945 zur Rechenschaft gezogen.

Weitere Karrieren im NS-Staat

Nach Auflösung des Wachkommandos Osthofen im Sommer 1934 wurden etliche der vor 1933 häufig beruflich erfolglosen, nach der „Machtübernahme“ jedoch zu Hilfspolizisten ernannten SA- und SS-Männer entweder in die hessischen Sonder- und Wachkommandos übernommen oder sie fanden Verwendung im Wachdienst des Konzentrationslager Dachau. Als im April 1935 nahezu alle hessischen Sonderkommandos aufgelöst wurden, bemühte sich das dortige Innenministerium intensiv darum, diese in ihrem Sinne bewährten Männer als Beamte im Polizeidienst unterzubringen.

Durch zahlreiche Dienstenthebungen aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums waren im Polizeidienst Stellen frei geworden. Viele dieser aus politischen oder rassistischen Gründen entlassenen Beamten befanden sich auch unter den Insassen des KZ Osthofen. Ihre Bewacher jedoch konnten weitere Karriereschritte im NS-Regims machen. Sie wurden übernommen u.a. in die Wachdienste von Sachsenhausen, Bergen-Belsen, Lublin-Majdanek, Mittelbau-Dora, Flossenbürg, Mauthausen sowie nicht zuletzt in die Wachmannschaft des SS-Sonderlagers/KZ-Hinzert.

(Quelle: NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz)


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