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Ludwig Keil

"Mein letztes Semester studierte ich in Dachau"

Der gelernte Kupferschmied war bereits früh gewerkschaftlich und politisch aktiv. Ab 1917 Mitglied der SPD, wechselte er 1920 zur KPD. Als Vorsitzender der KPD-Ortsgruppe saß er zwei Jahre im Offenbacher Stadtrat, bevor er 1931 hessischer Landtags-Abgeordneter wurde. In KPD-Flugblättern sowie in seinen Reden thematisierte er immer wieder die Probleme der Arbeiter und benachteiligter Bevölkerungsgruppen. Insbesondere setzte er sich für deren soziale Absicherung und Versorgung in Zeiten der Weltwirtschaftskrise ein. Parolen wie „Gegen Faschismus, Hunger und Krieg!“ waren auf Wahlplakaten der Offenbacher Kommunisten in dieser Zeit zu lesen.

Ludwig Keil (ganz rechts) bei der Beisetzung der Asche des ermordeten Widerstandskämpfers Georg Fröba, 1947 in Darmstadt
Quelle: Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V., FFM

Als KPD-Funktionär war Ludwig Keil den Nationalsozialisten wohl bekannt. Bereits im März 1933 wurde er verhaftet und als einer der ersten „Schutzhäftlinge“ in das Konzentrationslagers Osthofen eingeliefert. Dort gehörte er einer Gruppe von Kommunisten an, die innerhalb des Lagers Hilfeleistungen organisierten, und insbesondere versuchten den Zusammenhalt der kommunistischen Häftlinge im Lager zu stärken. Nach seiner Entlassung wurde er im Februar 1935 erneut verhaftet und wegen „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“ in "Schutzhaft" genommen. Im Jahre 1938 folgte - wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ - eine Verurteilung zu fünfzehn Monaten Haft, die er in den Strafanstalten Kassel, Offenbach, Zweibrücken und Mannheim verbüßte.
Ludwig Keil wurde im Rahmen der „Aktion Gitter/Gewitter“, nach dem gescheiterten Hitler-Attentat am 20. Juli, am 22. August 1944 mit weiteren Sozialdemokraten und Kommunisten aus Bensheim und Darmstadt verhaftet, und ins Konzentrationslager Dachau verbracht, aus dem er erst nach Kriegsende von der amerikanischen Besatzungsmacht nach Darmstadt entlassen wurde.
Auch nach 1945 engagierte er sich politisch: Er war zeitweise stellvertretender hessischer Wirtschaftsminister, Mitglied des hessischen Landtags sowie Vorsitzender der KPD im Stadt- und Landkreis Darmstadt. Ludwig Keil verstarb 55-jährig in Darmstadt.

Kurzbiographische Information:

  • * 1.08.1896 in Bickenbach an der Bergstraße
  • ab 1912 Gewerkschaftsmitglied
  • Teilnahme am Ersten Weltkrieg, schwere Verwundung
  • 1917 Beitritt zur SPD, 1920 Wechsel zur KPD
  • 1929-1931 Vorsitzender der KPD-Ortsgruppe in Offenbach am Main, Mitglied des Offenbacher Stadtrats
  • 1931 – 1933 Mitglied des Landtags des Volksstaats Hessen
  • ab 11. März 1933 „Schutzhaft“ im KZ Osthofen
  • Februar 1935 erneut in „Schutzhaft“
  • 1938 Verurteilung zu 15 Monaten Haft durch das OLG Kassel
  • 1944 – 1945 Häftling im KZ Dachau
  • 1945 Ministerialdirektor im hessischen Ministerium für Wirtschaft und Verkehr
  • 1946-1950 Abgeordneter der hessischen Landtags: zunächst als stellvertretender, ab 1949 als Vorsitzender der KPD-Landtagsfraktion
  • † 8.01.1952 in Darmstadt

Quellen:
Wolf, Lore: Erinnerungen 1945-1949, Archiviert im Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V., Signatur: AN 5147; Flugblatt "Wer hilft uns?", Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V., Signatur: AN 1969; Handschriftlicher Lebenslauf Ludwig Keils, archiviert im Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V., Signatur: CSS 2008; Standesamt Offenbach; Standesamt Darmstadt; Form, Wolfgang7Schiller, Theo (Hrsg.): Mikrofiche-Edition. Widerstand und Verfolgung in Hessen 1933 bis 1945. Die Verfahren vor dem Volksgerichtshof und den Oberlandesgerichten Darmstadt und Kassel, München 2008, Signatur:  OJs 041/38; Karl Schreiber Nachlass, archiviert im Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V.; Interviews mit Johann Lossa und Emil Schaaf; Weber, Hermann/Herbst A´ndreas: Deutsche Kommunisten: biographisches Handbuch 1918 bis 1945, Berlin 2004, S. 363; Beier, Gerhard: Arbeiterbewegung in Hessen. Zur Geschichte der hessischen Arbeiterbewegung durch einhundertfünfzig Jahre (1834-1984). Vom Hessischen Landboten und Georg Büchner über den Volksstaat Hessen und Wilhelm Leuschner zum Großen Hessenplan und Georg August Zinn. Regionale Identität und soziale Bewegung, 1984, S. 462; Form, Wolfgang/Schiller, Theo/Brandes, Karin (Hrsg.): Die Verfolgten der politischen NS-Strafjustiz in Hessen. Ein Gedenkbuch, 2012, S. 153; Bauch, Hermann: Die "Vilbeler Welblechfront" trotzt dem "braunen Sturmblock", in: Hennig, Eike (Hrsg.): Hessen unterm Hakenkreuz. Studien zur Durchsetzung der NSDAP in Hessen, Frankfurt am Main 1984, S. 250; Pingel-Rollmann, Heinrich: Widerstand und Verfolgung in Darmstadt und in der Provinz Starkenburg, Darmstadt/Marburg 1985, S. 112f.; Ruppel, Hasn Georg/Groß, Birgit (Bearb.): Hessische Abgeordnete 1820-1933. Biographisce Nachweise für die Landstände des Großherzogtums Hessen (2. Kammer) und den Landtag, Darmstadt 1980, S. 148; Lengemann, Jochen: Das Hessen-Pralament 1946-1986. Biographisches Handbuch des Beratenden Landesausschusses, der Verfassungsberatenden Landesversammlung Groß-Hessen und des Hessischen Landtags 1.-11. Wahlperiode, Frankfurt am Main 1984, S. 296; Fuchs, Werner/Klemm, Bernd (Hrsg.): Galm, Heinrich: Ich war halt immer ein Rebell. Politische Erinnerungen von Heirnich und Marie Galm, nach Gesprächen zusammengestellt von Werner Fuchs und Bernd Klemm. Mit einem Nachwort von Adolf Mirkes, Offenbach am Main 1980.